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Die wohl schönste und bergigste Schnitzeljagd Europas. Wer Lust hat, die Schweiz hautnah zu erleben, der ist auf der Grand tour of Switzerland genau richtig. Eigentlich gedacht für Motorrad und PkW, haben wir uns einen Teil der Route in unserem Camper angeschaut. Leider haben wir nicht die ganze Runde drehen können. Dazu war unsere Zeit zu knapp. Aber wir haben uns vorgenommen, die Tour fort zu setzen.

Kommt mit auf den ersten Teil unserer Reise durch die Schweiz.

Was genau ist denn die Grand Tour Of Swtizerland?

Was das ist? Eigentlich auch nur eine Aneinanderreihung von Straßen. Jedoch führen diese, auf rund 1600 Kilometern, einmal durch die ganze Schweiz. Sie führen durch Täler, über Bergpässe wie den Gotthardt-Pass und durch Städte wie Schwyz und Zürich. Es gibt auch einen schön geschriebenen Tourenguide, den wir euch ans Herz legen können. Denn dieser beinhaltet so machen Geheimtipp.

Entlang der Route, gibt es von Etappe zu Etappe immer wieder kulinarische Spezialitäten, Wanderungen und andere Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Hier ist also für jeden etwas dabei. Für uns, das coolste allerdings ist die Rote Blechkiste. Die Snackbox. Dazu aber später mehr.

Wenn man einen der Startpunkte der Route erreicht hat, ist diese dann recht ordentlich ausgeschildert. In Kreisverkehren, an Kreuzungen und auf Autobahnen sind jeweils Schilder angebracht. Das klappt allerdings nur, wenn man die Grand Tour of Swtizerland im Uhrzeigersinn fährt. Wenn es kein Schild gibt, dann heißt es wie in der Fahrschule: „immer gerade aus.“

Dann fahren wir mal los.

Start zwischen Zürich und Appenzell

Nein, wir beginnen nicht an einem normalen Startpunkt. Wir beginnen irgendwo zwischen St. Gallen und Appenzell, also so ziemlich am Ende der Etappe Zürich – Appenzell. Das Wetter hat etwas von Waschküche gemischt mit einer dicken Suppe. Wir können leider nicht wirklich viel von der Landschaft sehen, machen aber trotzdem das, was wir am liebsten machen: Irgendwo herum wandern.

Wir sind hier auf einem Pfand unterwegs, der sich Zwergen-Pass nennt. Der Weg ist sicher gemacht für Kinder, denn hier bekommt man einen schönen Einblick in die Botanik. Besser gesagt, kann man an Tafeln lesen, was denn hier für Pflanzen wachsen. Während Laura, die seit neuesten der Kräuterkunde verfallen ist, die Schilder studiert, versuche ich so viele Himbeeren wie möglich zu sammeln. Die Natur gibt es und ich sag‘ da sicher nicht „Nein“ 😜.

Wir sind am Ende des Weges angekommen und wollen nun wieder von dem Hügel herunter. Der Weg, den wir gehen wollen, können wir nicht finden. Dafür ein Schild, auf dem geschrieben steht, dass man doch wegen der Hotelgäste nach 16 Uhr hier nicht mehr entlang laufen soll. Hotelgäste? Ja, hier gibt es ein Hotel ohne Wände. Ein Platform mitten am Hang. Darauf ein Bett, zwei Nachtschränke und sogar Lampen. Bestimmt eine interessante Sache, dort zu schlafen. Aber nicht bei dem Wetter.

Den Weg nach unten bahnen wir uns dann einfach durch das Dickicht. Das ist zwar alles andere als schön, dafür gibt es hier echt viele Himbeeren 😁. Unten angekommen, finden wir auch einen von zahlreich vorhanden Trinkwasserbrunnen. Das trifft sich gut. Wir sind ja schon eine Weile unterwegs und mein Wasservorrat ist am Ende.

Mitten im Dickicht

Das Land verlassen

Ein Stück weiter der Route Appenzell – St Moritz entlang, haben wir einen schönen Stellplatz an einem See gefunden. Dumm nur, dass wir nicht bemerkt haben, dass der der See in den Bergen liegt. Tja, die Parkplatz-finde-App ist eben nur zweidimensional. Als wir durch Vaduz und vorbei am Schloss-Vaduz fahren, fällt uns dann auch auf, dass wir in Liechtenstein sind. Unser gesuchter See liegt dann in den Bergen über Triesenberg.

Hier oben pfeift jedoch so ein kalter Wind, dass wir beschließen, die Nacht an einem anderen Ort zu verbringen. Eine kleine Runde gehen wir jedoch trotzdem. Und als der Wind etwas nach lässt, darf auch mal eine kleine Runde geflogen werden.

Triesenberg Flussbett

Die Tour Mixen – Auf nach Schwyz

Das Wetter macht uns immer noch traurig und wir wollen uns die weite Tour nicht durch tief hängende Wolken anschauen. Somit beschließen wir, nach Schwyz zu fahren, um unsere Lieblings-Schweizer zu besuchen. Die beiden freuen sich immer riesig, wenn wir Fleischsalat mit bringen. So ganz verstehen wir das zwar nicht aber scheinbar gibt es so etwas in der Schweiz nicht oder nur selten.

Laura hatte eine Weile vor Beginn unserer Reise vorgeschlagen, den Großen Mythen zu besteigen. Der höchste Berg des Schwyzer Kantons. Jedoch sehen wir weder den kleinen noch den großen Mythen.

Also beschließen wir nach Stoos zu fahren. Nach Stoos, was auf einem Berg oberhalb vom Muotatal, südwestlich von Schwyz liegt, fährt man jedoch nicht mit dem Auto. Man fährt mit der steilsten Standseilbahn der Welt

110% Steigung – Die steilste Standseilbahn der Welt

Na dann habe auch ich endlich gelernt, wie das mit der Steigung und den Prozenten so funktioniert. Jetzt wo wir vor der Bahn stehen, ist das schon ganz schön steil. Her mit den Tickets!

Auch wenn Laura das ganz recht ist, bin ich etwas enttäuscht, nicht im letzten Wagen stehe zu können. Denn der ist leider voll. Daher müssen wir eins der mittleren fassförmigen Wagons nehmen. Interessant ist das schon, die Wagons richten sich immer so aus, das man gerade steht. Egal wie stark oder schwach die Steigung ist. Und diese Aussicht…

Hier oben klafft gerade eine großes Loch. Bauarbeiten sind gerade voll im Gange. Der Beton und alles was sonst noch hier oben gebraucht wird, fährt übrigens gleich in der Bahn mit. Und das First-Class. Bei guten Wetter, lässt sich hier oben die eine oder andere Wandertour starten. Man kann auch das Mythen massiv sehen. Wir fischen jedoch ein wenig im trüben. Allerdings haben die Wolken, die nach oben über die Kante des Berges wabern, auch etwas für sich.

Stoos
Ein Blick von ins Tal
Stoosbahn
Weidekühe

Die Grand Tour of Switzerland Snack Box

Wie oben schon erwähnt, gibt es ein richtiges nettes Andenken and die Grand Tour of Switzerland. Eine edle, rote Blechkiste. Für 25 Schweizer Franken, kann man diese an diversen Orten kaufen und dort auch füllen lassen. Hier in Schwyz, ist es eine Fleischerei. Die Füllung kostet immer 20 Franken und ist je nach Region eine Überraschung.

Was ist drin? Leckere Knacker, Brötchen, Bockwürste, Chips, und Wasser. Nicht zuletzt ein Schönes stück Speck. Mythen Speck. Der und auch die anderen Sachen, sind echt lecker. Und auch eine gute Grundlage für unser morgiges Vorhaben. Die Sonne kommt raus und der Mythen wartet.

Grand Tour of Switzerland Snackbox

Der große Mythen

Ätsch, das ist keine Bergbesteigung, die ein Reinhold Messner würdig ist. Keines Wegs. Aber irgendwie muss man ja auch mal anfangen.

Wir verabschieden uns und Fahren nach Ibergeregg. Von dort aus, laufen wir zur Bergstation der Seilbahn und stehen auch schon vorm Großen Mythen.

Der richtige Zeitpunkt, um nochmal darüber nach zu denken… Da aber so viele Leute in Richtung Gipfel gehen und auch wieder herunter kommen, sollten wir das ja auch hin bekommen. Schließlich sind wir ja auch viel zu Fuß unterwegs.

Es sind 47 kehren, die man beschreiten muss um ca. 500 Höhenmeter zu erklimmen. Leider ist der Weg so schlecht und der Hang an dem dieser sich nach oben schlängelt so steil, dass Laura sich entschließt unten zu bleiben. Unserem Vierbeiner wollen wir das nicht mehr antun. Somit mache ich mich alleine auf den Weg.

Der Ausblick ist echt schön, das Wetter ist super und mit den Wanderstöcken – die ich anfangs total dämlich fand – bin ich auch warm geworden. Es macht auch echt Spaß über die wechselnden Untergründe zu laufen, auf die man sich immer neu einstellen muss. Aber irgendwie bin ich gefühlt seit gestern unterwegs und das Ende ist noch lang nicht in Sicht.

Der Weg zum Gipfel des großen Mythen

Ich schnaufe wie eine Dampflock und muss immer wieder anhalten. Ich weiß nicht, ob es die Höhe ist oder ob ich heute einen schlechten Tage habe. Jedenfalls ist es doch weit anstrengender als erwartet. An diesem Hang, der bisher nur aus Steinen und Gräsern bestand, komme ich an einem Baum vorbei. Ich muss mich setzen. Einen Apfel inhalieren und etwas Trinken. Ein älterer Herr kommt von oben herunter und teilt mir mit, dass in ein paar Metern eine Bank kommt. Dort wären zwei drittel geschafft. Ich bin mir nicht sicher, ob ich weinen oder mich freuen soll.

Jetzt heißt es Zähne zusammen beißen und noch einmal alles geben.

Ich bin Kernschrott und überglücklich neben dem Gipfelkreuz zu stehen. Wenn ich bedenke, dass hier so viele Leute vergnügt hoch und runter laufen und ich mich fühle als hätte ich unter einem fahrenden LKW geschlafen, komme ich ins grübeln. Ich bin wohl doch nicht so fit, wie ich dachte oder es liegt tatsächlich an der dünneren Luft.

Nachdem ich mich wieder heruntergefahren habe, mache ich ein paar Fotos und genieße die Aussicht. Ein älterer Herr kommt mit mir ins Gespräch. Er erzählt von den Bergen und ein wenig von der Geschichte der Schweiz. Den Sprachen. Es war eine sehr schöne, wenn auch anstrengende Erfahrung. Jetzt wird es aber zeit wieder herunter zu gehen. Immerhin brät Laura schon gut zwei stunden in der Sonne.

Nachdem ich wieder unten angekommen bin und meine Beine nicht mehr zittern, fahren wir von Ibergeregg nach über Brunni zurück nach Maienfeld. Wo wir die Grand Tour of Switzerland verlassen haben und nun wieder Anschluss finden.

Gipfelkreuz des Mythen
Lars auf dem Gipfel des Mythen
Paraglider am Mythen
Begin des Rückweges vom Mythen

Offizielle Schweizer Feuerstellen

Bevor wir ins Schlaraffenland Samnaun fahren, müssen wir allerdings noch irgendwo einen Schlafplatz finden. Und das ist in dem Kanton, in dem wir uns jetzt befinden, absolut nicht einfach. In Graubünden ist Freistehen absolut verboten. Da auch Bußgelder in der Schweiz nicht gering ausfallen, lassen wir es nicht drauf ankommen und greifen in die Trickkiste. Im internet findest man zwei Websites die offizielle Feuer- und Grillstellen vorstellen. Da ist zwar sehr oft ein Stück Fußmarsch vom Parkplatz bis zur Feuerstelle aber so kann man auch ein Nachtquartier finden. Wie es uns auch geglückt ist. Und das ganz offiziell und ohne einen auf den Deckel zu bekommen. 😁👍

Samnaun – Das ist mal günstig

Bisher war alles nur Spaß, denn jetzt wird es richtig bergig. Wir haben vor Beginn unserer Reise den Plan gemacht, dass wir auf alle Fälle nach Samnaun fahren wollen. Und das eigentlich nur um zu tanken. Samnaun ist ein kleines Gebiet ganz am östlichen Nordrand der Schweiz über dem „Dreiländereck“ und ist ein Zollausschlussgebiet. Das heißt: keine Steuern.

Die Strecke bis nach Samnaun führt auch durch Österreich, was eine Grenzkontrolle mit sich führen kann, das blieb uns aber erspart. Nicht aber die teilweise sehr steile Bergstraße, die dann auch noch durch ein Paar schmale Tunnel führt. Es passt nur ein Auto auf einmal durch. Wir rechnen jeden Moment mit einem Knall und einer herumfliegenden Solarzelle. Aber wir kommen oben in Samnaun an. 0,89CFR für einen Liter Diesel, da staunen wir nicht schlecht.Das freut den Geldbeutel und auch uns. Denn so günstig ist es ja nicht einmal in Deutschland. Als wir nach unten fahren, kommt uns auch noch ein Linienbus entgegen. Also ist in dem Tunnel doch mehr Platz als wir dachten. 😜

Über den Jolierpass

Aussicht vom Jolierpass

Voll getankt und voller Tatendrang, setzen wir unseren Kurs fort. Neben der 27 geht es nach Südwesten, Richtung ST. Moritz. Ein recht belebter Ort, an dem es nicht nur von Menschen wimmelt, sondern auch von Autos. Einen Parkplatz zu finden, ist schier unmöglich. Und wir wollten doch hier auf einen Berg fahren und ein wenig wandern. Nach der zweiten Runde durch St. Moritz haben wir die Faxen dicke und fahren weiter. Auf der Webseite der Grand Tour Of Switzerland, finden wir in Sur eine Kleine Wandertour, die wir heute noch machen wollen. Um nach Sur zu kommen, müssen wir zunächst über den Jolierpass. Als wir vor zwei Jahren auf der Großglockner Hochalpen Straße unterwegs waren, haben wir unsere Bremsen versengt. Daher beschließen wir, es langsam angehen zu lassen.

Der Jolierpass is total entspannend, die Landschaft ist karg und die Straße leicht zu fahren. ein guter einstiegt in die Alpenpässe 👍 Eine kleine Runde gehen wir noch schnell zu Fuß. Einfach an den Bergseen vorbei fahren, das geht natürlich nicht.

Unser Tyson am Bergsee

Wandern in Sur

Dieser Kleine Ort, mit vielleicht 30 Gebäuden, dient uns als Startpunkt für unsere Runde. Wir wollen zum Neir-See, der gut 500 Höhenmeter über uns liegt. Das wird dann wohl keine leichte Sache. Wer nicht auf der Suche nach körperlicher Auslastung ist, der kann sich auch mit dem örtlichen Kleinbus nach oben Fahren lassen. Wie man es auch macht, der See ist es wert besucht zu werden. Wasser, klar wie Glas und die wundervolle Berglandschaft im Hintergrund. Ja so lieben wir das.

Der erste Bergsee auf unserer Wanderung
Unser Wanderziel
Der einzelne Baum

Der See lädt echt zum baden ein. Allerdings, ist er auch nicht besonders warm. Auf dem Rückweg, lernen wir die Herdenschutzhunde kennen, von denen wir gelesen haben. Sie leben von kleinauf in der Herde, die sie beschützen sollen. Dem entsprechend, verteidigen sie ihre Kumpels auch gegen alles und jeden. Das lassen sie und auch durch ihr lautes Gebell spüren. Wir nehmen die Warnung ernst und gehen weiter. Zum gluck sind diese hier hinter einem Zaun eingesperrt.

Auch hier gibt es einen Selbstbedienungsladen, mit Kasse des Vertrauens. Laura kauft uns eine Flasche Minzsirup. Leider ist ihr der zu süß. Ich jedoch, werde schon dafür sorgen, dass die Flasche nicht bis nachhause kommt 😜. Lecker.

Weiter gehts im nächsten Teil

Zwar sind wir noch nicht am Ende unserer Erlebnisse auf der Grand Tour of Switzerland angekommen, dennoch ist jetzt erst einmal Zeit, für eine kleine Pause. Wir hoffen euch ein wenig mitgerissen und auch Lust auf mehr gemacht zu haben. Weiter geht es in kürze. Jetzt brauch die Tastatur aber erstmal eine Pause.

Aber eine Sache ist da noch…

Für alle, die sich fragen, wo denn der Herbert ist, hier die Antwort auf diese brennende Frage:

Der war natürlich mit auf unserer Reise durch die Schweiz. Er hat die ganze Zeit vorne im Getränkehalter auf den Bus aufgepasst. Gewachsen ist er auch ganz ordentlich, zumindest für seine Verhältnisse. Momentan ist er übrigens damit beschäftigt diesen Beitrag Korrektur zu lesen.

Herbert unser Pflanzlicher Reisebegleiter