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Heute heißt es „Hallo Normandie!“ Aber erst nach einem ausgiebigen Frühstück und Auftanken aller Vorräte.

Die letzte Nacht haben wir auf einem Kleinen, Familienbetriebenen Campingplatz geschlafen. Hier nahe der Bretonisch-Normannischen Grenze, zwischen La Paultière und Quatre Salines kann man nicht nur günstig schlafen, sondern auch wieder eine (oder mehrere 😉) dieser Tollen Galettes essen. Ein Burger mit derben Creppesteig statt einem Weizenbrötchen ist echt eine prima Sache.

Genug vom Essen. Die Batterien noch schnell gecheckt, fahren wir los in Richtung des Grundes meinen Schreianfalls im Bus, von gestern Abend. Man sieht es schon vom weiten. Der Mont. Einfach toll. Ich verzichte jetzt bewusst darauf, ein Foto einzufügen und versuche mal eure Fantasie zu beflügeln. Schließt doch mal die Augen… Kleiner Scherz.

Die Gezeiteninsel der Normandie

Stellt euch eine weite Landschaft vor. Sie ist sehr eben und von kniehohem Gras bewachsen. Es ist bewölkt und die Sonne sticht nur punktuell durch die Wolken hindurch. Hinter dem Grasteppich, ist nasser Sand und ein paar Wasserstellen zu sehen. Und mitten in dieser Ebene türmt sich ein Berg auf. Wir stehen vor Le Mont Saint Michel.

Es ist unglaublich schön an zu sehen. Das Kloster was auf dem Berg thront, macht den Berg, der aus der Ebene herausspießt noch einmal einige Meter höher. Höhe schätzen ist schwierig aber 120m wird die Turmspitze bestimmt aus der ebene ragen. Der Berg ist für sich eine eigene Gemeinde in der ca. 50 Menschen leben. Was mich aber neben der Tatsache, dass das ja irgendwann mal von Menschen gebaut wurde, ist, dass es ein Inselberg ist. Man gelangte, bis vor einiger Zeit, nur über einen Damm zur Insel. Und das auch nur bei Ebbe. Man musste also genau wissen wann man hin und zurück laufen konnte. Durch Wasser vom Festland abgeschnitten. Das hat doch was Mystisches….

Le Mont Saint Michel

Spaß muss sein

Schade, dass das Wetter heute nicht auf unserer Seite ist. Aber wir machen wie üblich das Beste daraus. Auch hier verzichten wir darauf den Steg zu nehmen um auf den Inselberg zu gehen. Wir nehmen lieber den Weg durch die Wiese zum Watt und bestaunen das Bild aus der Ferne.

Man kann hier einen großen Besucherparkplatz (für 12€) und den Shuttlebus direkt zum Mont nehmen oder zu Fuß (immer noch 9€) den Steg nutzen. Ganz ehrlich? Wir sind nicht geizig. Es ist auch absolut verständlich, dass Geld verdient werden muss um diesen absolut tollen Ort zu erhalten. Aber die Massen die hier auf den Berg strömen… das macht uns keinen Spaß. Hier zu sein. Das ist völlig ausreichen. Mehr Zahlen, Daten und Fakten gibt´s auf Wiki.

Beton, Stahl, Sand

Das die französische Küste, vor allem die Normandie, für ihre Bunker bekannt ist, brauchen wir sicher nicht erwähnen. Wir haben ja auch schon einige Überreste der Kriegsschauplätze gesehen. Wir sind hier nahe Grandcamp-Maisy und schauen uns das Freilichtmuseum Maisy-Battery an. Hier finden wir Überreste von altem Kriegsgerät aber auch Großgeschütze die richtig gut restauriert wurden. Mögen sie nie wieder feuern. Es ist ein seltsames Gefühl, durch die ausgegrabenen Gräben zu gehen. Noch unwirklicher wird es, als wir durch die Bunker laufen. Bevor uns nun der aufgeweichte Lehmboden in die Schuhe schwappt, fahren wir weiter.

Ein weiter, sehr bekannter Punkt ist Pointe du Hoc. Erdlöcher, zwischen fünf und zehn Metern im Durchmesser Große massive Stahlbetonbauten stehen hier. Man kann nur erahnen wie es hier gewesen sein muss. Damals. Dieses Denkmal flößt uns Respekt ein.

Geschützbunker in Pointe Du Hoc

Weiter östlich von Pointe Du Hoc, findet man einen langen Strand. Omaha Beach. Bekannt durch die Landung in der Normandie. Absolut unwirklich, dieser Ort. Der Strand grenzt links an die Straße, auf der wir fahren. Rechts von uns Stehen vereinzelt ein paar Villen. Es ist fast nichts zu sehen was an den D-Day erinnert.

Ist das wirklich nötig?

Wir lassen die Schauplätze des dunkelsten Kapitels Europas hinter uns und wenden uns wieder den Freundlicheren Dingen zu. Lasst uns eine Runde Ball spielen!

Der kleine rote Ball

Wir lassen uns in Saint Jouin Bruneval nieder und nutzen den Abend um unseren Vierbeiner noch einmal ordentlich aus zu powern. Nach dem Abendessen, beschließen wir noch ein paar Meter die Klippen entlang zu spazieren, als uns ein öliger Abgasartiger Geruch durch die Nase fährt. Der Ölige Anteil stammt auf alle Fälle vom Tanklager, welches sich hier um die Ecke befindet. Nach der Herkunft des Abgasgeruchs brauchen wir auch nicht lange suchen. Irgendwie tut es einem in der Seele weh, zu sehen wie riesige Schiffe schlänge stehen, um in den weiter westlich gelegen Hafen ein zu fahren. In der Ferne sieht man wann die Schiffe auf Schweröl umschalten. Die Rußwolken sieht man noch, als man die Schiffe selbst kaum noch erkennen kann. Da fragt man sich doch wirklich ob man wirklich alles von einem Ende der Welt zum anderen schippern muss…

Die Klippen der Normandie

In der Normandie findet man öfter Sandstrände als in der Bretagne. Zumindest, kommt es uns so vor. Da uns nur sehr selten danach ist, am Strand zu liegen, kommt es uns auch sehr gelegen, dass man hier auch wesentlich mehr Steilklippen findet. Den heutigen Tag nutzen wir um von Vattetot-sur-Mer nach Ètretat und wieder zurück zu laufen.

Das tolle an so einem „stealth“-Camper-Bus ist ja, dass man ihn wirklich fast überall abwerfen kann. So nutzen wir eine Breite bucht eine Feldweges als Parkplatz. Bevor wir loslaufen, stellt Laura meine Schuhe, die immer noch nass von gestern sind auf die Frontscheibe. Ich hatte versucht meine ebenfalls noch nassen Socken durch den Fahrtwind zu trocknen. Dazu habe ich sie heute Früh über die Anhängerkupplung gestülpt. Naja trocken sind sie nicht, dafür sieht es lustig aus 😁.

Wir laufen Richtung mehr, die Sonne hat heute wieder einen Scheit mehr aufgelegt und prasselt wieder ordentlich auf uns herab. Der Trampelpfad führt wirklich bis an den Rand der Klippen, an dem Möwen sitzen.

Klippen von Vattetot

Klippen von Vattetot

Ich liege jetzt hier einen Meter vom Abhang entfernt und Fotografiere die Möwen. Hier geht es ganz schön weit runter. Es könnten gut 30 Meter sein. Fast bis ganz nach unten führt jetzt auch der Trampelpfad den wir weiter gehen. Natürlich geht es jetzt auch wieder nach oben. Dort angekommen machen wir erstmal kurz rast. Ganz schön steil. Einige Minuten später, kommen wir wieder in den Genuss, noch einmal bis fast zum herunter und wieder hoch laufen zu können. So anstrengend der Weg bisher auch war, so schön ist doch die Klippenlandschaft. Links von uns stehen Kühe hinter einem Zaun. Direkt am Zaun verläuft unser Pfad und einen Meter weiter rechts, fällt das Land wie von einem Messer abgeschnitten, nach unten.

Das (falsche) Fenster zum Meer

Zum Glück verläuft der weitere Weg nicht wie der Anfang. Hier ist alles total gerade. Das ist auch gut so, denn die Sonne allein macht einen heute schon fertig. Kurz vor dem Zielort, der westliche Rand von Ètretat, finden wir auch das Loch in den Klippen, welches wir aus dem Reiseführer kennen. Schade, dass gerade Flut ist, sonst könnte man ja mal versuchen dort herunter zu kommen.

Ein Fenster zum Meer

Wir sind nun mittlerweile einige Zeit unterwegs und ziemlich kaputt. Zum gluck, sind wir aber auch bei Ètretat angekommen. Bei dieser kleinen Kapelle hier, verkauft man leider nur Kaffee und den brauchen wir gerade echt nicht. Vorhin habe ich mich wie bolle gefreut, dass wir dieses Loch gefunden haben und nun sehen wir in der Ferne das was wir eigentlich in dem Reiseführer gesehen haben.

Es geht uns aber auch wie so oft, dass es uns die Dinge lieber aus der Ferne ansehen. Es ist auch viel zu heiß um den Rückweg noch weiter zu verlängern. Wir haben kein Wasser mehr im Rucksack und wie bereits erwähnt wollen wir keinen Kaffee, also machen wir uns auf den Rückweg.

Das große Fenster

Das große Fenster

Wir stellen fest, dass das Wasser zurück gewichen ist und der Weg zu dem kleinen Fenster in den Klippen frei ist. Natürlich kann ich nicht anderes und muss da jetzt auch unbedingt runter. Während Laura auf Tyson aufpasst, steige ich die in den Felsen gehauen Treppen nach unten. Ganz schön steil führt der Weg hinab zu einer festen decke aus Goldbraunem Gestein. Das Wasser hat hier ganze Arbeit geleistet und faustgroße Vertiefungen in den Stein gefressen. Die Oberfläche ist spitz und scharfkantig. Bloß nicht stürzen.

Ein Fenster zum Meer

Ein Fenster zum Meer

Ach wenn doch jetzt nur Nacht währe. Die Sterne würden sicher schön in das Fenster passen. Aber was soll’s. Weder würde ich die steilen Treppen im Dunkeln hinunter steigen, noch können wir hier irgendwo schlafen. Der Anblick der Klippen entschädigt mich für. Neben mir ist eine große Vertiefung aus der das Wasser immer wieder herausgezogen und dann von einer Welle hineingepresst wird. Es sieht fast aus als würde eine Badewanne überlaufen.

Klippen von Etretat von unten

So schön es auch hier unten ist, wird es doch nun Zeit, die beiden Sonnenbader dort oben wieder ein zu holen, um uns dann auf den Rückweg zu machen. Clever wie wir sind, nehmen wir die Straße, um die beiden Schluchten nicht wieder durchqueren zu müssen. Falsch gedacht. Eine Müssen wir zumindest wieder nach oben, da unser Weg genau in der ersten Schlucht ankommt. Wir sind froh am Bus angekommen zu sein um endlich etwas zu trinken. Froh bin ich auch, dass niemand meine Schuhe geklaut hat 😉.

Robben Whatching #1

Auf den Feldern zuhause, versuche ich schon ewig ein schönes Foto von einem Greifvogel zu machen. Immer wenn ich meine Kamera dabei habe, sind keine da. Habe ich Sie nicht dabei, sitzt mindestens einer irgendwo und hat Ausschau nach Beute. Genau das, erwarte ich auch hier. Hier in Le Hourdel soll man sehr gut Robben beobachten können. Ich zweifle jedoch stark an, dass wir welche zu sehen bekommen. Bevor wir unser Nachtquartier in Cayeux-sur-Mer beziehen, schauen wir noch einmal kurz am Robbenstrand vorbei, es ist ja gerade erst einmal Mittag. Natürlich ist das erste, was wir sehen eine robbe, die vier oder fünf Meter vom Strand entfernt gemütlich ihre Bahnen schwimmt… Und, wo ist die Kamera?

Nachdem wir unseren Bus auf dem Campingplatz einrangiert haben, machen wir uns noch einmal zu Fuß auf den Weg na Le Hourdel. Wir laufen den Strand entlang, der nun aufgrund des fehlenden Wassers gefühlt ewig breit ist. Es ist echt verrückt. Vor ein paar Stunden haben wir hier in den Wellen Ball gespielt und nun langweilt sich unser Hund, welches hier natürlich alles frisch gewaschen ist und nichts nach irgendwas riecht.

In der Ferne sehen wir tatsächlich Robben. Etwas mehr als ein Dutzend der Tiere liegt an Land, neben einem Strom des letzten Wassers, der in Richtung Meer fließt. Aus irgendeinem Grund beginnt das ganze Rudel nun damit im Wasser zu verschwinden. Und wir sind noch zu weit weg, um irgendwas von den Tieren richtig erkennen zu können. Das einzige, was uns hier noch bleibt, ist der Bunker, der hier am Strand liegt. Interessant wie schnell das Wasser hier das Land zu sich holt.

Die Natur gewinnt immer

Robben Whatching #2

Heute ist sie gekommen, die letzte Nacht unserer Reise durch die Normandie. Den letzten Tag nutzen wir noch einmal um ein paar Robben vor die Linse zu bekommen. Wir wechseln den Standort und fahren weiter nach Osten. In Berck finden wir einen gar nicht mal so schönen Stellplatz, der brechend voll ist. Dafür erfreuen wir uns wieder über die vielen Blicke, die sagen „was ist das denn?“ als wir uns zwischen die großen Wohnmobile zwängen. Wir laufen vor bis zum Wasser, das sich gerade vom halbkreisförmigen Strand zurückzieht. Aus dem Wasser spießen algenbewachsene Holzpfähle, die wahrscheinlich für die Muschelzucht gedacht sind. Natürlich muss ich auf den Wellenbrecher klettern, denn dahinter liegen duzende der torpedoförmigen Schwergewichte. Leider sind sie immer noch so weit weg, dass ich hier sie selbst mit dem langen objektiv nicht erreichen können.

Wir verschwinden erstmal wieder im muss und machen uns etwas zu Essen und warten ein wenig. Später schauen wir noch einmal zum Strand. Da liegen sie nun zum Greifen nahe.

Robben am Strand

Wir könnten stundenlang zuschauen wie sie herumrollen und einer nach dem anderen gähnt. Schön anzusehen ist es auch wenn sie winken oder sich mit den Flossen [nennt man das Flossen?] auf ihre Bäuche klatschen. Die jüngeren spielen miteinander oder versuchen Möwen zu fangen.

Am nächsten Morgen gehen wir noch einmal nachschauen bevor wir aufbrechen. Berck ist für uns nun das absolute muss geworden, wenn man Robben sehen will.

Auf Wiedersehen Frankreich

Nun machen wir uns auf den weg die rund 1000km nachhause zu fahren. Wir erledigen noch ein paar Einkäufe in Belgien und übernachten noch einmal in den Niederlanden bevor wir dann daheim ankommen. Wir haben unglaublich viel gesehen, unglaublich viel Baguette gegessen. Und was für uns mit das wichtigste war: wir waren nicht einen einzigen Tag gestresst oder haben uns in unserem Bus gar unwohl gefühlt. Im Gegenteil. Wir freuen uns auf die nächste Reise und sind auch froh, dass Frankreich auch eine Westküste hat.

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