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Am Anfang war das Baguette… Nein. Am Anfang waren Temperaturen, die nahe an der, der Sonnenoberfläche lagen, eine Klimaanlage die auf dem Zahnfleisch lief und viele viele Kilometer. Aber wir sind, nach einem einer Übernachtung in Versailles, angekommen in Carnac, Bretagne, Frankreich.

Und Wir besuchen kurz ein Feld aus Menhire (aufrecht stehende, große Steine) die hier in Carnac Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung, aufgestellt worden. Auch wenn das hier wirklich viele und große und auch zum Teil schöne Steine stehen, wir brauchen einen Schlafplatz und etwas zu essen.

Galette

Eine Galette, eine feine Sache.

Die Klimaanlage hat sich von den Strapazen von 36°C – und mehr – Außentemperatur erholt. Den Schlafplatz finden wir durch unsere Landvergnügen-Vignette (näheres in den Reisetipps) bei einem Austernzüchter direkt in der Bucht zwischen Carnac und Kerroch. Austern gab es für uns leider nicht (obwohl das vielleicht auch nicht schlimm ist), dafür haben wir gleich zu beginn Freundschaft mit der Bretonischen Gallette geschlossen. Ein etwas derberer Creppes aus Buchweizenmehl, belegt mit allem was man in der Küche findet. Speck, Pilze, Eier, Kartoffeln… ich bekomme schon wieder Hunger…

Auf unserem Spaziergang zurück zum Bus, fällt uns auf, dass hier sehr viele Häuser leer stehen. Ferienwohnung? Zu Verkaufen? Wir wissen es nicht. Es wird stürmisch. Der Leuchtturmwärter hat in der Ferne das Licht an geschalten. Der Hund des Austernzüchters ist über unsere Ankunft überhaupt nicht glücklich und bellt, bis wir uns in den Bus verzogen haben. Wir lassen uns vom Wind in den Schlaf schaukeln.

Quiberon, unser nächstes Ziel, liegt auf einer Halbinsel am südlichen Ende der Bretagne, Westlich von Vannes, etwa 1500km von unserer Meldeadresse entfernt und ist gut gefüllt mit Touristen. Ein guter Grund, weshalb wir auch gleich weiter nach Westen fahren.

Von Betonbunkern und Hasen

Erdeven. Sehr schwer zu übersehen, ist der schöne Strand und Gräser, die im Wind wehen. Aber auch die Überreste des Antlantikwalls, die man hier überall in vielen Formen findet. Neben kurzen Gräsern, die wahrscheinlich nahezu ohne Wasser auskommen (zumindest sehen sie so aus), und Dünen liegen Betonbrocken und ragen Teile von Bunkern aus dem Boden. Mitten drin springen kleine Hasen von Bau zu Bau. Die Gegend hier ist irgendwie unwirklich.

Küste nahe Erdeven

Die Küste von Erdeven

Wir fahren ein gutes Stück weiter Richtung Nord-Westen. In der Bucht bei Le Cabellou klettern wir über große Felsbrocken, die das Ufer bilden. Ich suche nach Krebstieren und versuche nicht auf die freiliegenden Muchelansammlungen zu treten, während ich über die Felsen balanciere. Der Tag an dem meine Kamera auf einem Stein zerschellt, kommt hoffentlich nie. 😉

Unser Vierbeiner scheint die Kletterpartie ebenfalls zu genießen. Am Fort du Cabellou, dem alten Wachposten, von dem aus die Hafeneinfahrt bewacht wurde,haben wir uns den Wind um die Nase wehen lassen. Wir stellen fest, dass wir ein Stück unserer Route übersprungen haben. Also zurück nach Süd-Ost.

Mießmuscheln

Mießmuscheln

In Trévignon hat man bei Ebbe die Möglichkeit einen kleinen Leuchtturm zu besuchen. Die Bote im Hafen sind gut geschützt hinter einer dicken Mauer, welche zeitgleich der Zugang zum Leuchtturm ist. Zumindest wissen wir nicht, wie man sonst dorthin gelangt. Hier wachsen auch wieder diese kleinen Dinger, die aussehen wie die Schwänze von kleinen Kaninchen. Laura hat sie „Buffteln“ getauft. Ich denke zwar, dass jetzt irgendwo ein Botaniker mit dem Kopf schütteln wird aber das passt schon so.

Bufteln

„Buffteln“

Wir fahren wieder Richtung Norden-Westen vorbei an Le Cabellou nach Concarneau. Hier Lassen wir uns auf einem Campingplatz nieder, um der Vorsicht halber die Batterien zu Laden und um das Wasser aufzufüllen. Hier durfte ich mich auch das erste Mal mit einem Profi-Wäschetrockne, auf dem ich nichts lesen konnte, streiten. Irgendwie war eine Wasserflasche undicht und Laura´s schubladestand unter Wasser. Wir verbringen die Nacht hier und nutzen den nächsten Morgen um dieses große, alte Bauwerk im Hafen zu besuchen. In der Bucht oder besser gesagt im Hafen liegt die Ville close, eine befestigte, von einer Mauer umgebene Inselstadt. Nach einem Spaziergang auf der Mauer haben wir und durch die Menschenmassen gedrängt. Hier kann man sicher schön essen oder sich mit Souvenirs eindecken. Wenn man denn Platz zum Atmen hat 😉

Des Seemann´s Grab

Über Quiper steuern wir Plogoff, genauer Pointe du Raz an. Den bis her am weitesten westlich gelegene Ort unserer Reise. Wir parken unseren Bus auf einem großen Schotterparkplatz und packen die Rucksäcke voll mit Wasser. Es ist ordentlich heiß heute. Kleine Trampelpfade und Schotterwege führen durch die flache, trockene und dennoch grüne Vegetation. Ein süßlicher Geruch, den wir zuerst nicht einordnen können, liegt in der Luft. Scheinbar kommt er von diesem Gelb blühenden Pflanzen, die hier großflächig wachsen. Auch hier fällt uns, wie bisher sehr oft auf, das sich die Vegetation teilweise aller paar Wegminuten komplett ändert. Gerade eben standen wir noch zwischen diesen duftenden pflanzen. Jetzt sind es hüfthohe, efeuartige Gewächse.

Hinter der Wachstation der Küstenwache steht eine große Statue welche Richtung Atlantik Blickt. „Notre Dame des Naufrages“ Frei übersetzt bedeutet das so viel wie: „Unsere liebe Frau der Schiffswracks“ Somit, für uns, ein Gedenkplatz für die verstorbenen Seefahrer.

notre dame des naufrages

In Gedenken an die auf See verstorbenen Seefahrer

Pointe du Raz Leuchtturm

Hier kann man ewig sitzen und den Wellen zusehen.

Am noch ohne klettern erreichbaren Ende von Pointe du Raz, sitzen wir und schauen einfach Richtung Ozean. Wir lauschen dem Wind, beobachten die kleinen Wellen, die gegen den Leuchtturm im Wasser und die Felsen prallen. Wir winken den Leuten auf der weit entfernten Insel Île-de-Sain, die uns gar nicht sehen können. Lange still sitzen, können wir sonst nicht. Doch hier… es ist so schön hier.

Nachdem wir uns hier los gerissen haben, haben wir den weiter nördlich gelegen Strand genutzt, um unseren Vierbeiner mit seinem Lieblingsball toben zu lassen. Gefühlt ist der Strand absolut eben. Wenn die Flut kommt, dann wird nicht viel mehr davon übrig bleiben, als die runden Steine, die ganz am Rand liegen. Von hier aus sehen wir auch ein paar Autos die nördlich von hier in den Klippen parken. Dort wollen wir auch hin.

Schlafen mit Meerblick

Ein Straßenschild versperrt uns die Durchfahrt. Hier dürfen nur die Fischer die dort arbeiten, aber das macht nichts. Direkt an der Straße, mit Blick auf die Klippen und das Meer Stellen wir unseren Bus neben ein paar andere Camper und bereiten unser Nachtlager vor.

Unsere heutigen Nachbarn sind neugierig und schauen mit ein paar schritten Abstand in unseren Bus. Ein bisschen stolz, öffne ich alle Türen und lasse die Familie von neben an alle anschauen. 🙂

Klippen von Plogoff

Le Vorlen – wundervolle Landschaft

Wir wandern noch ein wenig die Klippen von Le Vorlen entlang und genießen die Sonne. Beobachten Möwen die hier nisten und ihre Kreise fliegen. Hier ist es ruhig und sehr naturbelassen. Als es langsam dunkel wird und wir uns auf den Rückweg machen, kommt von irgendwo ein Hund mit Leine gerannt. Dann noch einer. Frauchen und Hund Nummer drei, rennt den anderen beiden hinterher. Ich laufe schnell zu Laura, die schon damit beschäftigt ist unseren Hund festzuhalten, während dieser schon schön am Durchdrehen ist. Die Frau fängt ihre Hunde, läuft weiter und lässt die Leinen wieder fallen. Eine der Leinen bleibt zwischen zwei steinen hängen. Man könnte die Leine ja auch festhalten aber das funktioniert in Frankreich scheinbar ein wenig anders, wie wir noch öfter merken werden.

Mit offenen Hecktüren liegen wir zugedeckt im Bus und winken den vorbei fahrenden Autos zu. Und schauen der Sonne zu, wie sie langsam hinter dem Horizont verschwindet.

Ein perfekter Platz zum Schlafen

Ein perfekter Platz zum Schlafen

Fernwanderweg – Zöllnerpfad (GR34)

Nun machen wir uns auf den Weg, ein etwas weiteres Stück zu fahren, um am Nordwestlichen Ende der Bretagne in Lampaul Plourazel einen Campingplatz zu erreich. Brechend voll ist untertrieben und wir sind gezwungen eine Ausweichmöglichkeit zu suchen.

Wir suchen gefühlt ewig und finden nur Geschlossene oder nicht wirklich übernachtungstaugliche Plätze. Schlussendlich, fahren wir nun Richtung Osten bis nach Landèda. Bis auf die Wanderrunde am Cap de la Chèvre ein echter Reinfall. Und morgen ist Regen gemeldet.

Wie jeden Tag, starten wir nach der Abfahrt, mit der Suche nach einem Bäcker, um uns Meterweise Baguette zu kaufen. Heute fahren wir über Crozon zum Cap de la Chèvre was das untere Ende der nördlicheren Landzunge von Plogoff bildet. Wieder prasselt die Sonne auf uns herunter und wir laufen die Ausgebaute Straße, vom Parkplatz aus, nach Rostudel zurück. Ungefähr noch einmal soweit laufen wir und biegen dann auf einen kleinen Trampelpfad der in Richtung Küste führt ab.

Es geht Berg auf und Berg ab. Um uns herum ist alles grün und Dicht bewachsen. Irgendwann werden die Büsche so hoch, dass Laura kaum noch sehen kann, was hinter der nächsten Biegung liegt. Ich schon 🙂 aber auch nicht immer. Hin und wieder Drehen wir uns um und schauen nach hinten, denn die Küstenlandschaft hier ist einfach großartig anzuschauen.

Ich weis nicht wie sie das immer macht, aber machmal sieht Laura dinge, an den ich einfach dran vorbei rennen würde. Das Liegt wahrscheinlich daran, dass ich viel damit zu tun habe, nicht über meine Füße zu stolpern. Direkt neben und steht ein großes, altes und komplett überwuchertes Haus. Was das wohl mal war?

Im Übrigen ist das, worauf wir hier laufen, ein weiteres Stück des GR34 Fernwanderweges. Dieser Weg, auch Zöllnerpfad genannt, schlängelt sich um die ganze Küste der Bretagne. Im Laufe unserer Reise, laufen wir wieder und wieder einzelne Etappen dieses immens langen Wanderpfades.

Bucht

Auf diesem Pfad beim Cap de la Chèvre kommt schon fast ein wenig Karibik-feeling auf

Eingesperrt

Altes Boot

Immer wieder ein Hingucker, diese alten Boote

Sind wir froh, dass wir und diese Internet Karte zugelegt haben. Es regnet und wenig windig ist es auch nicht gerade. Wir laufen dennoch mal eben eine halbe stunde zum Bäcker. Unseren täglichen Meter Baguette lassen wir uns doch nicht von diesem „Bisschen“ Regen nehmen… Zum Gluck, haben wir noch einen ungenutzten Drybag (Mehr dazu auf unserer Packliste (nein wir haben den Beutel des Todes nicht mit Baguette gefüllt!))

Den Großteil des Tages verbringen wir nun damit einen größeren Streamingdienst leer zu saugen. Für euch ist auch noch was da 😉 Als das Wetter besser wird, weht eine ordentlich steifer Wind. Nichts desto trotz, noch länger und wir bekommen viereckige Augen.

Riesige Granitsteinformation

Nach unserem ungewollten Ruhetag reisen wir weiter die Küste nach Osten entlang. Hier in der Mitte der nördlichen Küste der Bretagne, Trègastel und Ploumanc’h. Die beiden Städte sind bekannt für ihr rote Granitsteinküste welche bei Sonnenuntergang wunderbar rosa leuchtet. Hier wandern wir ein wenig die Küste entlang und steigen bei Perros-Guireg auf eine riesige Granitsteinformation. Die Felsen sind zerfurcht und habe tiefe Spalten, die über die Jahre vom Wasser hineingespült wurden. Wir haben die Steine bei Ebbe besucht. Wenn das Wasser zurück kommt und die Brandung etwas stärker ist, ist es sicher auch schön an zu sehen.

Was ist das denn?!

Cap Fréhal bietet uns nicht nur eine schön restaurierte, großen Leuchturmanlage, sondern auch einen Startpunkt für unsere heutige Wanderung. Wir laufen von hier zum Fort La Latte welches pünktlich zu unserer Ankunft die Besuchertore schließt. Da hat sich der Weg durch das Dickicht und auch die Fliegenschwärme richtig gelohnt.

Der nächste Tag verspricht genauso daneben zu gehen wie der Tag an dem wir in Lampaul Plourazel einen Campingplatz gesucht haben. Eigentlich wollten wir heute nach Saint-Malo fahren, da man hier wohl mit gluck robben sehen kann. Leider haben wir keinen Parkplatz gefunden auf dem wir unseren Bus nicht in ein Cabriolet verwandelt hätten. Somit waren wir gezwungen weiter fahren. Diesmal etwas mehr ins Landesinnere.

Dinan hat eine wunderschöne Altstadt. Die im Fachwerk-Baustil errichteten Häuser laden zum shoppen und Kaffee trinken ein. Bei dem einen oder anderen Haus, fragen wir uns dann aber doch, wie das überhaupt zusammen hält. Und bei ein oder zwei etwas neueren Häusern, kann man erkennen, das da ein wenig nachgeholfen wurde, indem einfach Holzbretter aufgegabelt wurden um den Fachwerkstil zu imitieren.

Der Tag neigt sich nun wieder langsam dem Ende zu, und so wie es ausschaut, wird es unser letzter in der Bretagne sein. So fahren wir wieder zurück an die Küste Richtung Osten. Kurz vor der Ankunft an unserem Zielcampingplatz, schlängeln wir uns ein paar Serpentinen herunter. Als ich zufällig aus dem Fenster schaue und in der ferne etwas sehr sehr großes sehe, kann ich nicht inne halten und brülle ein lautes „was ist das denn?!“ durch den Bus.

Dinan

Altstadt von Dinan

Was genau mich da hat ausflippen lassen, folgt im zweiten Teil unseres Reiseberichtes. Ich werde nun erstmal an diesen tollen Galettes-Burger denken, die wir an dem Abend noch gegessen hatten… Wir hoffen euch hat der erste Teil unserer Reise gefallen und seid auch beim zweiten teil wieder dabei. Wir jedenfalls würden uns freuen.

Küstenreise Frankreich – Normandie